Schmetterlinge im Alpenvorland

 

Der Naturfotograf und Buchautor Wolfgang Willner stellte beim Monatsvortrag der Regionalgruppe des Landesbund für Vogelschutz e.V. die Schmetterlinge der Region vor. Er konzentrierte sich dabei mit schönen Bildern auf die Tagfalter, von denen ja allein 187 Arten in Bayern vorkommen. 50 Prozent davon sind in verschiedenen Gefährdungsstufen auf der Roten Liste verzeichnet. Da Tagfalter als erwachsene Tiere vor allem an bestimmte Blütepflanzen gebunden sind und dort Nektar saugen, sind Blumenwiesen mit der heimischen Artenausstattung für ihr Überleben essentiell. Gerade Hochmoor-Gelbling, Schlüsselblumen-Würfelfalter, Blauschillernder Feuerfalter und Lungenenzianbläuling verraten nicht nur mit dem Namen Aussehen, Nahrungspflanze oder Lebensraum. Sie und einige weitere haben nur noch Ihre letzten Bestände in unserer Gegend. 

 

Das hängt mit den verschiedenen im Volksbegehren „Artenvielfalt“ thematisierten Einflüssen und Veränderungen in unserer Landschaft zusammen. Hier ist die industrielle Landwirtschaft nur ein Faktor von vielen: Flächenversiegelung, klinisch gepflegte Gärten, Lichtverschmutzung und auch der Klimawandel etc.. Zu allem trägt die gesamte Gesellschaft derzeit kräftig bei. 

 

In diesem Zusammenhang ist es wichtig den Landwirten eine Zukunftsperspektive für eine naturfreundliche Landbewirtschaftung zu bieten. Die Weichen dafür werden bei der in mehrjährigem Abstand stattfindenden EU-Agrarreform gestellt. Derzeit werden allerdings noch 80% der vielen Milliarden Landwirtschaftsfördermittel – im Durchschnitt unterstützt jeder EU-Bürger bzw. jede -Bürgerin jährlich den Landwirtschaftstopf mit 114 Euro – an nur 20% der Landwirte ausbezahlt, weil sie die enorme Direktzahlungen für großen Flächenbesitz erhalten. Die kleinbäuerliche Struktur bei uns hat dabei das Nachsehen. Wichtig ist deshalb das Landwirtschaft für die Natur noch mehr Förderung aus dem großen Topf bekommt. Bei der Europawahl am 26. Mai 2019 kann jeder mit seiner Stimme die zukünftige Agrarpolitik mitbestimmen und entscheiden, für was „seine“ 114 Euro ausgegeben werden.

EU-INTERREG-Projekt Tirol-Bayern an Gebirgsflüssen

 

Das vor gut einem Jahr begonnene Projekt mit dem Ziel den Besuchern der Gebirgsflüsse die Brutorte von sensiblen Kiesbrütern besser und einfacher kenntlich zu machen, nimmt weiter Gestalt an. Bei einem Treffen in der Vogelschutzwarte Garmisch-Partenkirchen haben sich die Naturparke Karwendel und Tiroler Lech zusammen mit dem LBV und der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen zum gemeinsamen grenzüberschreitenden Vorgehen abgestimmt. 

Für die Besucherlenkung wurden Qualitätsstandards erstellt. Die gemeinsame Kommunikation nach außen wurde weiterentwickelt. Mit Beginn der Brutsaison werden in einigen Bereichen an den Flüssen im gemeinsamen Projektgebiet zwischen Iller und Tiroler Achen Bereiche gekennzeichnet. Die Betroffenen werden derzeit nacheinander informiert und Details mit ihnen abgestimmt. Die Umsetzung erfolgt dann mit Hilfe der Naturschutzwacht, der Ranger des Naturparks Ammergauer Alpen und den Gebietsbetreuern Daniela Feige (Landkreis) und Michael Schödl (LBV).

 

 

Das Projekt wird aus EU-Mitteln (EFRE) des INTERREG-Programms Österreich – Bayern 2014-2020 gefördert. Auf bayerischer Seite übernimmt der Bayerische Naturschutzfonds die Kofinanzierung. Der LBV ist dabei der so genannte LEAD-Partner.

 

Projektpartner Vielfältiges Leben an unseren Gebirgsflüssen – Für ein respektvolles Miteinander von Mensch und Natur/ INTERREG-Projekt AB 179 zur grenzübergreifenden Zusammenarbeit (Von links): Michael Schödl (LBV), Marlene Salchner (Naturpark Tiroler Lech), Hermann Sonntag (Naturpark Karwendel), Axel Kelm (Ranger Landkreis TÖL), Dr. Sabine Tappertzhofen (LBV-Projektleiterin), Yvonne Markl (Naturpark Tiroler Lech), Fabian Unger (LBV), Brigitte Kraft (LBV BGS Schwaben), Sabine Walter (Landratsamt TÖL), Sabine Pröls (LBV), Teresa Müllauer (Naturpark Karwendel)

Zugvögel im Klimawandel

 

Vor einem vollen Saal zeigte der bekannte Ornithologe Prof. Dr. Franz Bairlein (auf dem Foto links neben LBV-Regionalvorsitzenden Hans-Joachim Fünfstück), Direktor der Vogelwarte Helgoland in Wilhelmshaven, in seinem Vortrag im Landratsamt Garmisch-Partenkirchen, wie sich die Klimaerwärmung auf das faszinierende Phänomen „Vogelzug“ auswirkt. 

Die biologischen Effekte des Klimawandels sind schwer zu erfassen, da für viele Tier- und Pflanzenarten keine Langzeituntersuchungen vorhanden sind. „Am einfachsten ist das noch beim Obstanbau, wo man lange Zeitreihen über den Beginn der Obstbaumblüte hat“, so Bayerlein. Vögel sind wohl darüber hinaus die am besten untersuchte Tiergruppe. Sie begeistern viele Menschen, sind rel. einfach zu erfassen und durch eine systematische Beobachtung eignen sie sich gut als Bioindikatoren. 

Die Zugvögel – ob Lang- oder Kurzstreckenzieher – kommen immer früher ins Brutgebiet zurück. Ursachen für die Kurzstreckenzieher ist dabei die durch Klimawandel direkt bedingte Zunahme der Frühlingsmitteltemperatur bei uns. Die treibende Kraft für die Langstreckenzieher liegt in der veränderten Nordatlantischen Oszillation, hängt also mit der großräumigen Veränderung zusammen.

 

Was bedeutet eine frühere Ankunft bei uns? Dadurch werden früher die Eier abgelegt und die Jungen schlüpfen früher. In vielen Fällen hat das – vereinfacht ausgedrückt – die Folge, dass die auf die Insektenentwicklung angepasste Jungenaufzucht eben nicht mehr dann stattfindet, wenn die Nahrung verfügbar ist.

Dies konnte man für 117 Arten bestätigen. 

Ein Zugvogel hat einen sehr komplexen Jahreszyklus. Die Lebensräume im Brutgebiet müssen für die Jungenaufzucht passen. Auf dem Zug brauchen die Vögel an den Schlüsselstellen nahrungsreiche Rastgebiete für ein „Auftanken,“ z.B. zur Überquerung der Wüste auf dem Weg nach Zentral-/ Südafrika. In den Überwinterungsgebieten benötigen sie gute Bedingungen, um sich für die Rückzug zu uns fit zu halten. Wenn nur eines dieser Gebiete ausfällt, hat das große Auswirkungen auf das Überleben des Einzelnen, aber auch der ganzen Population.

Momentan gibt es große Veränderungen: Die Insekten im Brutgebiet bei uns nehmen drastisch ab. Die Rastgebiete in Nordafrika verändern und intensivieren ihre Nutzung. In den Überwinterungsgebieten gibt es große landwirtschaftlich Umstrukturierungen und auch die Ausweitung von Dürren.

Der Schutz auf all diesen Ebenen ist eine Mammutaufgabe für den Vogelschutz.

Packen wir es an.

Fotos: Schödl

CIPRA hält Klausurtagung 2019 in Grainau ab

 

CIPRA Deutschland ist der Dachverband von Verbänden, Vereinen und fördernden Mitgliedern, die sich für eine nachhaltige Entwicklung des deutschen Alpenraumes einsetzen. Durch die Geschäftsstelle von CIPRA International mit Sitz in Liechtenstein sind Deutschland und die anderen nationalen CIPRA-Organisationen in sieben Alpenländern zu einem alpenweiten Netzwerk verbunden. Auch der LBV ist Mitglied.

Zur diesjährigen Klausurtagung traf sich der Vorstand der CIPRA Deutschland im Seminarhaus Grainau. Begleitet wurde die Tagung von Kaspar Schuler von CIPRA International. Neben Themen zur eigenen Weiterentwicklung in den bayerischen Alpen wurde auch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ zum Artensterben thematisiert.

 

Die Eintragungsfrist in den Rathäusern beginnt am 31.Januar. Öffnungszeiten kann man einfach online unter www.rathausfinder.volksbegehren-artenvielfalt.de finden. Die Eintragung unter Vorlage des Ausweises ist bis 13.2.2019 möglich.

 

(Foto: Schödl)