LBV Regionalgruppe Garmisch-Partenkirchen/ Weilheim-Schongau

Am Mo., 02. März findet die Jahreshauptversammlung der Regionalgruppe GAP/WM-SOG des Landesbundes für Vogelschutz e.V. (LBV) statt. Die Versammlung, zu der auch Nichtmitglieder herzlich willkommen sind, beginnt um 20.00 Uhr im Gasthof zum Stern in Seehausen.

Als besonderer Gast wird Dr. Norbert Schäffer, der 1. Vorsitzende des LBV, anwesend sein und über Aktuelles aus dem LBV und berichten.

Neben den Berichten und Ehrungen langjähriger Mitglieder, steht auch die Nachwahl der/des 2. Vorsitzenden auf dem Programm. Zum Abschluss hält der 1. Vorsitzende der Regionalgruppe, H.-J. Fünfstück einen Kurz-Vortrag über die gewählten Tiere und Pflanzen des Jahres inklusive dem Vogel des Jahres, der Turteltaube.

 

Dr. Norbert Schäffer

 

Turteltaube                                                                                                                   Foto:  H.J. Fünfstück

Zwei Generationen Vogelschutz in Bayern 

– Dr. Einhard Bezzel wird für 60jährige LBV-Mitgliedschaft geehrt

 

Diese Ehrung persönlich zu überbringen war Dr. Norbert Schäffer, Landesvorsitzender des Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V., besonders wichtig. War doch Dr. Einhard Bezzel nicht nur Leiter der Vogelschutzwarte in Garmisch-Partenkirchen, sondern auch von 1966-1978 selbst LBV-Landesvorsitzender im damaligen Dreiervorstand. Unter seinem Vorsitz entwickelte sich der LBV vom Vogelschutzverein mit Nistkästen und Voliere zu einem ökologisch denkenden Verband für Arten- und Biotopschutz.          

                                                                                       V.l. Hans-Joachim Fünfstück (Regionalgruppenvorsitzender), Dr. Einhard Bezzel, Dr. Norbert Schäffer.                                                                                                                                                                                                           

Damals hatte der LBV knapp zehntausend Mitglieder. Im Jahr 2019 konnte er das hunderttausendste Mitglied begrüßen. Dass der Vogelschutz in der Gesellschaft angekommen ist, ist auch ein großer Verdienst von Dr. Einhard Bezzel. Noch immer veröffentlicht er jährlich mehrere Vogelbücher, zahlreiche Artikel und hält viele Vorträge. Dabei holt sich der mittlerweile 85jährige viele Informationen bei seinen täglichen Kartiergängen durch Garmisch-Partenkirchen. „Denn nur durch genaues Hinschauen und Langzeituntersuchungen kann man erst ernsthaft Ornithologie betreiben“, so der Vogelexperte im Ruhestand.

 

 

Diese Einstellung teilt Dr. Norbert Schäffer: „Wir haben jetzt schon sehr viele ehrenamtliche Vogelbeobachter, die sich sehr für den Vogelschutz und die Erfassung von guten Vogeldaten im Alpenraum einsetzen. Bei der Fülle der Arten und den großen Herausforderungen, denen sich die Biodiversität bei Artenschwund und Klimakrise ausgesetzt sieht, freuen wir uns über jeden Weiteren der uns beim großen Wissens-Puzzle in den Alpen mithilft“. So konzipiert der LBV gerade Kursprogramme, die das Artenwissen näherbringen sollen. Ziel ist es über ein Langzeitmonitoring die derzeitigen Entwicklungen in der Vogelwelt zu begleiten.

 

Jahresthema: Artenvielfalt in der "Normallandschaft"

Erfolgreiche LBV-Aktion für Schwalben

 

Obwohl einzelne Rauchschwalben heuer bereits früh anwesend waren, haben unsere Schwalben aufgrund des Kälteeinbruchs im Mai erst sehr spät (ab Juni) angefangen zu brüten. Mittlerweile sind die Jungen ausgeflogen und erfreuen uns mit ihrem Gezwitscher, wenn sie perlschnurartig auf der Stromleitung sitzen - oder - auch nicht mehr? Denn, die beiden Schwalbenarten sind selten geworden und bereits auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten in Bayern zu finden. Die Gründe sind sicherlich vielfältig: Insektenschwund, Gefahren auf dem langen Flug nach Afrika, aber auch die Versiegelung der Landschaft – so fehlt den Schwalben das Baumaterial und geeignete Brutplätze. Rauch- und Mehlschwalbe nutzen ihre Nester jedes Jahr erneut weshalb die Nester ganzjährig geschützt sind. Nicht umsonst gelten sie als Glücksbringer, denn durch ihre Anwesenheit sollen Blitz, Hagel, Sturm und anderes Unheil vom Hof abgewehrt werden. Zudem sind sie nützliche Fliegenvernichter, für jede Brut wird zur Aufzucht der Jungen etwa 1 Kilogramm Insekten verfüttert. Das sind ca. 250.000 Insekten.

 

Mehlschwalben bauen ihre halbkugeligen Nester aus 700 – 1.500 Lehmkügelchen außen an rauen Fassaden unter Dachvorsprüngen direkt unter dem Traufbereich. Die Schwalben holen sich das Baumaterial auf feuchten Wegspuren, in Drecklachen oder unbefestigten Hofplätzen. Diese Stellen dürfen nicht weiter als 300 m entfernt sein, da der Lehm sonst im Flug bereits austrocknet. Wenn Nester nicht gut haften, fallen diese herunter.

 

Schwalbenwinkel mit jungen Rauchschwalben, Foto: Gässler

 

 

Rauchschwalben brüten innen, meist in Ställen. Die Nester sind schalenartig offen. In die Lehmmasse werden Stroh, Heu oder auch Tierhaare eingearbeitet. Die Umstellung auf moderne Laufställe stellt diese Art vor neue Probleme. Diese Ställe sind groß, hell und zugig. Rauchschwalben nisten aber bevorzugt in dunklen, niederen, Zugluft geschützten Ställen, wo sie Absätze, Balken oder Ecken für den Nestbau nutzen. Eine neu entwickelte Nisthilfe, der „Schwalbenwinkel“ ähnelt dem bevorzugten Nistbereich, einen Eck oder Winkel, und soll Rauchschwalben helfen auch in Laufställen zu brüten. 

Um den Schwalben in Sachen Wohnungsbau bei uns im Landkreis unter die Arme zu greifen startete 2019 das Schwalbenprojekt der Regionalgruppe Garmisch-Partenkirchen/ Weilheim-Schongau des Landesbund für Vogelschutz e.V. (LBV) in den beiden Landkreisen. Es meldeten sich insgesamt 56 interessierte Landwirte und weitere „Schwalbenbesitzer“ (oder solche, die gute Voraussetzungen haben es noch zu werden) bei der ehrenamtlichen Projektleiterin Sonja Gässler um mit den kostenlos zur Verfügung gestellten Nisthilfen ihre Schwalben zu unterstützen. 

 

Möglich wurde das durch 1.000 Euro Projektmittel für „Bürgerengagement“ in Rahmen der LEADER-Förderung der LEADER AG Zugspitzregion. Dabei wurden im Landkreis Garmisch-Partenkirchen Landwirten und weiteren Schwalbenbesitzern insgesamt 120 Nisthilfen kostenlos zur Verfügung gestellt. Weitere 230 Nistmöglichkeiten wurden durch eine großzügige Unterstützung der ALLIANZ-Stiftung „Blauer Adler“ über die Vertretung Franz Hagn an Interessenten in den Landkreisen GAP, WM und TÖL abgegeben. 

 

 

von links: Ludwig Köpf und Sonja Gässler, Foto: Mühlbacher

 

Beispiele für erfolgreiche Annahme der Nisthilfen:

 

Die Rauchschwalben-Nisthilfen für Laufställe wurden in einigen Ställen bereits gut angenommen. Im Stall von Familie Köpf in Oberammergau nutzten die Schwalben, zusätzlich zu den bereits vorhandenen Nestern, fünf der acht aufgehängten „Schwalbenwinkel“ zur Brut. Durch den „Schwalbenwinkel“ können in Laufställen, die wenig Brutmöglichkeiten bieten, mehr Schwalben brüten. Außerdem wird damit in Laufställen, wo bisher keine Schwalben waren, die Chance erhöht, dass Schwalben einziehen. 

 

Familie Westenrieder vom Marxhof in Obersöchering hat zehn „Schwalbenwinkel“ in ihrem Laufstall aufgehängt. Vorher brüteten hier keine Schwalben. Dieses Jahr zog ein Rauchschwalben-Paar in einer der Nisthilfen in zwei Bruten jeweils fünf Junge groß. Ein Anfang ist gemacht und nächstes Jahr werden hoffentlich noch mehr Schwalben einziehen.

 

 

Josef Westenrieder und Sonja Gässler mit dem gesamten Nistkastensortiment für Schwalben, Foto: Mühlbacher

 

Auch ein Teil der Kunstnester für Mehlschwalben wurde bereits dieses Jahr zur Brut genutzt. Besonders dort, wo bereits Mehlschwalben brüten ist eine Besiedelung erfolgreich. So kann die Kolonie vergrößert oder runtergefallene Nester ersetzt werden. Bei Familie Köpf sind die Mehlschwalben gleich in die Kunstnester eingezogen. Diese wurden aufgehängt, da im Winter ein Nest heruntergefallen war. Zusätzlich wurde in den vorjährigen Nestern gebrütet, so dass es jetzt mehr Brutpaare als vorher sind. 

 

Als Kulturfolger sind unsere Schwalben auf die Akzeptanz und mittlerweile auch auf die Hilfe durch uns Menschen angewiesen. Das Schwalbenprojekt soll nächstes Jahr weitergeführt werden. Wer sich für den Schwalbenschutz engagieren möchte kann sich beim LBV melden (Tel. 08821/ 73464, gap@lbv.de).  Sind Schwalben bei Ihnen willkommen können sie auch die LBV-Plakette für ihr „schwalbenfreundliches Haus“ bekommen und so für den Schwalbenschutz werben. 

 

Aktuelle News aus dem Naturschutz

lbv-news.jimdofree.com Blog Feed

Kommunalwahlen in Bayern (Mi, 22 Jan 2020)
Blumenwiese (Foto: Bernd Raab) Blumenwiese (Foto: Bernd Raab)     Am 15. März 2020 ist Kommunalwahl. Eine Chance, in ganz Bayern etwas für die Natur vor der eigenen Haustüre zu erreichen. Denn schon mit einfachen Maßnahmen können Kommunen viel für den Naturschutz vor Ort bewirken. Mit 6 einfachen Forderungen wollen wir Kandidat*innen und Wähler*innen gleichermaßen auffordern, sich für den Erhalt der Biologischen Vielfalt und lebenswerte Kommunen einzusetzen.   Fordern auch Sie Ihre Kandidaten zu mehr Naturschutz auf
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