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Naturnahes öffentliches Grün

Der andauernde Biodiversitätsverlust ist in aller Munde. Doch was versteht man darunter? Was bedeutet das für unsere Tier- und Pflanzenwelt? Wie kann man sich engagieren um die Biodiversität zu erhalten? Um diese Fragen und Probleme kümmern wir uns in dem Projekt "naturnahes öffentliches Grün".

 

Biodiversität oder auch biologische Vielfalt bedeutet wörtlich übersetzt "Vielfalt des Lebens". Zum einen wird damit die Vielzahl verschiedener Tier- und Pflanzenarten bezeichnet. Zum anderen kann es auch die genetische Vielfalt innerhalb einer Art bedeuten. Nur eine genetisch vielfältige Art ist überlebensfähig. Der Verlust an biologischer Vielfalt kann beide Aspekte betreffen. Geht genetische Vielfalt verloren sind meist nur noch wenige Individuen vorhanden. So wird Inzucht fast unvermeidbar. Aber es können Arten auch ganz aus einem Ökosystem verschwinden und so die Biodiversität senken.

Doch was genau führt zu einem solchen Biodiversitätsverlust?

In den meisten Fällen greift der Mensch zu sehr in ein Ökosystem ein, sodass spezialisierte Arten keine Chance mehr haben zu überleben. Ein konkretes Beispiel wäre hier das häufige und oft mehrere Meter breite Mähen und Mulchen von Rad- und Wanderwegesrändern. Um eine artenreiche Blumen- oder Kräuterwiese zu erhalten, ist ein magerer Boden und wenige Schnitte im Jahr nötig. Durch das häufige Mähen werden die Pflanzen vor oder während der Blüte gemäht, sodass sie nicht mehr in der Lage sind Samen zu produzieren und für das nächste Jahr auszusamen. Außerdem wird durch Mulchen eine erhebliche Menge an Nährstoffen in den Boden gebracht. So schießen wenige konkurrenzstarke Pflanzen, wie schnell wachsende Gräser, in die Höhe. Blühende Stauden und Kräuter werden einfach überwachsen und verdrängt. Zudem werdend durch das Mulchen viele Tiere verstümmelt oder getötet.

Mahd im Landschaftsschutzgebiet (Foto: Fünfstück)
Mahd im Landschaftsschutzgebiet (Foto: Fünfstück)
Mulchen am Wanderweg (Foto: Fünfstück)
Mulchen am Wanderweg (Foto: Fünfstück)
Vielfalt am Wegesrand - Goldpippau (Foto: Fünfstück)
Vielfalt am Wegesrand - Goldpippau (Foto: Fünfstück)
Alpenaster und Knöllchenknöterich (Foto: Fünfstück)
Alpenaster und Knöllchenknöterich (Foto: Fünfstück)
Hummelschwäremer findet Nahrung (Foto: Fünfstück)
Hummelschwäremer findet Nahrung (Foto: Fünfstück)

 

Genau dieser Verlust an biologischer Vielfalt begegnet uns auch auf vielen öffentlichen Flächen wie z.B. Verkehrsinseln oder dem Straßenbegleitgrün. Entweder es herrscht der strenge englische Rasen, wo sich keine Blume blicken lassen darf. Oder es werden exotische oder spezielle, gezüchtete Zierblumen gesetzt. Die sehen zwar schön und gepflegt aus. Sie sind jedoch weder Futterpflanzen für heimische Insekten, Vögel und Kleinsäugetiere, noch für deren Nachwuchs. Genauso erscheinen auch die meisten privaten Gärten. Perfekt aufgeräumt, nirgends darf Unkraut zu sehen sein und gepflanzt werden exotische Blühpflanzen ohne Nektar, Pollen oder Sämereien. Dabei sieht eine naturnah gestaltete Fläche nicht nur schön aus, sie bietet zusätzlich unseren heimischen Tieren Lebensraum und Futter zugleich. Solche Oasen könnten auch auf Gemeindeflächen, Verkehrsinseln oder im Straßenbegleitgrün geschaffen werden. Naturnah gestaltete Flächen sind weniger kosten- und pflegeintensiv. Die Flächen sollten nur ein-, maximal zweimal im Jahr gemäht werden, nicht wie mittlerweile häufig zu sehen bis zu sechs Mal im Jahr. Die Flächen werden einmalig angelegt und bleiben über mehrere Jahre erhalten, somit fällt die kostenintensive jährlich Neubepflanzung weg, wie sie häufig z.B. bei Verkehrsinseln praktiziert wird. Auch die Bewässerung solcher Flächen ist nicht nötig. Und genau hier setzen wir mit unserem Projekt "naturnahes, öffentliches Grün" an. Wir versuchen mit verschiedenen Gemeinden zu kooperieren um öffentliche Flächen naturnah umzugestalten. Wir möchten Blühstreifen und -flächen schaffen, die für heimische Pflanzen ein Lebensraum werden können. Mit den Pflanzen kommen dann auch automatisch die Insekten, Vögel und Kleinsäuger. Außerdem stehen wir den Bauhöfen und Gärtnereien beratend zur Seite, um das Mähmanagement so zu gestalten, dass der Arbeitsaufwand sich verringert und zugleich heimische Tiere und Pflanzen einen Lebensraum finden können. Natürlich können auch private Leute in ihrem Garten eine naturnahe Fläche gestalten. Auch hier stehen wir gerne zur Verfügung, falls Fragen zur Planung und Umsetzung auftauchen sollten.

Auch Stieglitze profitieren von artenreichen Wegesrändern (Foto: Fünfstück)
Auch Stieglitze profitieren von artenreichen Wegesrändern (Foto: Fünfstück)

 

 

Wie kann man mitmachen?

Wir möchten für die heimischen Tiere und Pflanzen neuen Lebensraum schaffen. Dafür suchen wir Flächen von Gemeinden, die wir mit Hilfe der Gemeinde-Gärtnerei oder des Bauhofs naturnah gestalten. Außerdem möchten wir das problematische Mulchmanagement an Wegesrändern verbessern. Zusätzlich setzen wir uns für den Stopp von Pestiziden und Herbiziden im Gemeindebereich ein.

Brigitte Wegmann koordiniert die Aktivitäten zu diesem Thema.

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